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Die Meinung der Weltpresse
Pressestimme 2:
Wupper Nachrichten, Januar 1990 |
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Thomas Mann im Simonshöfchen
Wuppertaler Autor legt Anekdotensammlung vor
"Mann, Thomas!" heißt ein kleines Bändchen mit Anekdoten von und über Thomas Mann, das jetzt im Wuppertaler Raabe Verlag erschienen ist. Zummengetragen hat die Geschichten une Geschichtchen über den
längst mit dem Ehrentitel "Dichterfürst" belegten Klassiker der Moderne der gebürtige Wuppertaler Oliver Schlick.
Wer von Thomas Mann mehr als nur die obligatorische Schullektüre gelesen und sich vielleicht sogar mit den Tagebüchern und der Vita des 1955 in Zürich gestorbenen Schriftsteller beschäftigt hat, der wird "seinen" Mann in den rund 70 Episoden aus seinem Leben leicht wiederfinden. Zu genau trifft Schlick Wortwahl und Ausdrucksweise des Lübeckers, zu lückenlos fügen sich die Ereignisse in Thomas Manns Lebenslauf ein. Entsprechend erstaunt reagiert man, als auch der Seite 15 des Bändchens plötzlich die Überschrift vom "Tragischen Besuch der Stadt Wuppertal" ins Auge springt: Thomas Mann in Wuppertal, das mag ja sein, aber eine Lesung in der "Evangelischen Buchhandlung Simon Höfchen B. N. Dahl & Cie.", die ein alteingesessener Wuppertaler mit den Worten: "Faß dek korz, Jong!" beendet haben soll. Schlicks Anekdoten sind von hinten bis vorne, von der ersten bis zur letzten Seite frei erfunden, reine Phantasie. Die allerdings verkauft der Autor derart genial, daß beim ersten Lesen wirklich nichts auffällt. Erst beim zweiten Mal bemerkt man die versteckten Anspielungen und stellt fest, wie hintergrüdig-ironisch hier ein Denkmal angesägt wird. "Die Wirklichkeit ist außerordentlich realistischer, als wir sie uns in unserer Satirizität jemals vorstellen können", lautet ein Mann-Zitat, das Oliver Schlick seinem Buch vorangestellt hat. Ob es echt oder auch erfunden ist - nach der Lektüre der echten falschen Anekdoten wage ich nicht, das zu beurteilen.
Stefan Koldehoff, Wupper Nachrichten, Januar 1990 |
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