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Leseprobe 1
Interdependenz von Literatur und Politik
Thomas Mann und Konrad Adenauer |
Dass der grosse Schriftsteller in politischen Dingen oft mit seltsamer Unkenntnis geschlagen war, ist ein dunkles Kapitel in seiner an Helle so reichen Biographie.
In seinen letzten Lebensjahren sprach ihn einmal ein Zeitungsredakteur auf die Lage in der Bundesrepublik an:
"Was", fragte er, "lieber Mann, halten Sie von Konrad Adenauer?"
Mann antwortete:
"Ein Mensch, der sich, vom Schicksal, welches mich unergründlich dünkt, nur mit der mageren Gabe eines dürftig-begrenzten Wortschatzes von etwa einhundertfünfzig Worten ausgestattet, durch's Leben zu schreiten genötigt sieht, ein solcher Mensch, meine ich, hat zwar das Rüstzeug zu einem kurzen Bonmot, aber nicht, das zu betonen erachte ich für dringlich erforderlich, zu kunstvoller Erzählung oder gar dasjenige zu einem Roman."
Trotz Manns krassem Fehlurteile ist es eine unzweifelbare historische Tatsache, dass ihn Konrad Adenauer dennoch um fast zwölfeinhalb Jahre überleben musste.
© 2008 Oliver Schlick
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